AKTUELLE AUSGABE


KÜNSTLERPORTRÄT 4/2010:

Professor HERBERT PRIKOPA
Der „HANS DAMPF IN ALLEN GASSEN“




Er ist gleichzeitig Opernsänger, Filmstar, Komödiant, Dirigent, Fernseh-Legende, Kabarettist und Komponist, feiert heuer nicht nur seinen 75. Geburtstag, sondern gleichzeitig sein 65-jähriges Bühnenjubiläum: Ausnahmekünstler und Allroundgenie Prof. Herbert Prikopa!
Foto: M. Milde

Seine Bühnenkollegen stellen mit ihm an der Spitze ein regelrechtes „Who is Who“ des kulturellen Leben Wiens, aber auch das der Opernhäuser von Zürich, München, Berlin London, Tokio, Hamburg etc. dar. Er selbst singt auswendig mehr als 100 Opernpartien und fast 90 Operetten und umkurvte die Erde unzählige Male im Rahmen ausgedehnter Welttourneen.

Einige Tage vor seinem großen Geburtstagsfest traf die bezaubernde Wiener Operetten-Sopranistin Pauline Pfeffer unseren Jubilar in seinem wunderschönen Haus in Preßbaum zu einer ungezwungenen „Plauderei“, um einiges aus seinem beruflichen und privaten Leben erfahren zu dürfen, das künstlerisch nicht vielfältiger hätte sein können.


Foto: privat

PLAUDEREIEN MIT PROFESSOR HERBERT PRIKOPA
Schon der Empfang durch seine reizende und charmante Gattin Rosemary Prikopa, einer gebürtigen Engländerin, und dem Maestro „himself“ war überaus herzlich. Die humoristische Ausstrahlung dieses Multitalentes, das als Korrepetitor, Sänger, Schauspieler und Dirigent wie auch Entertainer und Kabarettist tätig war, ist jederzeit spürbar. Bald sprudelten die Informationen, Erzählungen und Anekdoten nur so aus ihm heraus, sodass ich nun versuche, die wichtigsten Highlights aus seinem so erfüllten Leben zusammenzufassen.


Foto: privat

LICHTERZAUBER UND WINTER-WUNDERWELT
1985 wurde diese Idee nach einem Konzept von Ing.Roman Kreitner erstmals mit der Stadt Wien inszeniert, Jahr für Jahr durch weitere Attraktionen verfeinert und ergänzt. Seit 10 Jahren gibt es nur mehr leuchtende Dekorationen die mit Sparlampen bzw. LED Lichtquellen ausgestattet sind. Heuer, zum „Silbernen“ Jubiläum sorgt ein völlig neues Lichtkonzept dafür, dass der Wiener Rathauspark und der Wiener Christkindlmarkt noch eindrucksvoller in Szene gesetzt werden. Glitzernde Engel säumen den Rathauspark – entlang des Rings zwischen Parlament und Universität schweben in der Baumallee 18 Engel, die gerade dann, wenn es langsam dunkel wird, erstrahlen. Die Eingangsbereiche schmücken je zwei Torbögen, der „Sternenhimmel“ und die „Schneeflocken“.


Foto: privat

MUSIK WURDE „KLEIN HERBERT“ SCHON FAST IN DIE WIEGE GELEGT
Zur Musik kam der damals erst fünfjährige Herbert durch seine musikalischen Eltern, die ihm ein Akkordeon gekauft hatten, dass größer war als er selbst. Kein Hindernis für den ehrgeizigen Buben! Er spielte auf der Tastatur Kinderlieder einfach nach dem Gehör, „gezogen“ wurde das Instrument dabei von seinen Eltern! Sein Vater erkannte sofort die ungeheure Musikalität seines Sohnes und fasste einen wegbereitenden, weisen Entschluss: „Der Junge soll Klavier lernen“. Das geschah dann auch - bis zu seinem 18. Lebensjahr, seine Klavierlehrerin war Prof. Trude Korn, eine Absolventin der damaligen Musikakademie.


Foto: M. Milde

DER LANGE WEG ZUR VOLKSOPER
Herbert Prikopa war stets ehrgeizig und strebte so vorerst den Beruf als Pianist an. Die Konkurrenz durch Prof.Jenner, Prof. Badura-Skoda, Prof.Gulda und Jörg Demus wurde ihm aber einfach zu groß. Er verwarf bald diese Idee, strebte den Beruf eines „Korrepetitor“ an, studierte aber nebenbei auch Chemie. Die Anstellung bei der Wiener Volksoper, die damals von Dir. Prof. Salmhofer geleitet wurde, hatte er einem Zufall zu verdanken: Prof.Willy Dirtl, der ehemalige Solotänzer der Wiener Staatsoper, fuhr eines Tages an Herbert Prikopa vorbei und rief ihm aus dem Auto zu : „Um 13 Uhr ist ein Vorspielen, und ich habe Dich angemeldet!“ worauf Prikopa entgegnete, nichts davon gewusst zu haben. Die prompte Antwort darauf war: „Na, dann weißt es eben jetzt!“...Prikopa ging hin--und er bekam den Job! Das war 1955.

DAS SCHICKSAL MEINTE ES AUCH WEITERHIN GUT MIT IHM
Wie in diesem Fall, reichten sich in weiterer Folge Zufall, Schicksal und Fügung ständig die Hände und jedes „Einspringen“ für einen erkrankten Sänger, Schauspieler oder auch Korrepetitor brachte ihm den verdienten Erfolg und natürlich auch einen sehr guten Ruf als hervorragender Künstler und Musiker, mit dem es sich wunderbar zusammenarbeiten ließ.

EIN BLICK IN DIE LANGE LISTE SEINER BERÜHMTEN WEGBEGLEITER
Es würde einfach dieses „FREIZEIT-JOURNAL“ sprengen, würde ich alle seine Bühnenrollen, Kollegen und Stationen, sowie die unzähligen Fernsehauftritte und Sendungen, die unser Allround-Genie geleistet und gemeistert hat, aufzählen. So gestatten Sie mir einen kleinen „Querschnitt“: Nach Auftritten in der Wiener Kammeroper folgte für ihn ein Engagement bei Gerhard Bronner, der ihn unbedingt an Stelle von Helmut Qualtinger haben wollte. Auch an der Josefstadt sollte Prof. Prikopa als Schauspieler tätig sein, nämlich als „Pfüller“ in einer Otto-Schenk – Inszenierung des „Hofrat Geiger“. Bemerkenswert für all diese Engagements: es geschah alles ohne einer Unterbrechung seiner Korrepetitior-Tätigkeit an der Volksoper! Im Jahr 1957 setzte er, nach einem Studium bei der berühmten Prof. Elisabeth Rado, seine Karriere als Gesangssolist fort. Prof.Rado fragte ihn einmal, was er den singen wolle und, nachdem Prof. Prikopa italienische Tenorpartien erwähnte, antwortete sie ihm: „Du mit deiner graden, „schiachen“ deutschen Stimm`? Du wirst ein Charaktertenor und basta!“

Und so kam es, dass er über 90 Hauptpartien gesungen hat, wobei eine seiner Lieblingsrollen die des „Zsupan“ im „Zigeunerbaron“ war und ist. Weiters brillierte er in den Operetten „Wiener Blut“ als „Ypsheim“ und „Kargler“, in der „Lustigen Witwe“ als „Njegus“ und „Zeta“ , um nur einige Beispiele zu nennen.


Foto: privat

PRIKOPA DIE BRILLANTESTE OPERN-HEXE
Bekannt, berühmt und uns allen in liebenswertester Erinnerung ist Prof Prikopa aber auch als „Hexe“ in Humperdinck´s Oper „Hänsel und Gretel“! Weit über Österreich´s Grenzen hinaus bekannt und beliebt wurde er durch seine Fernsehsendungen und Shows im ARD und ZDF, im österreichischen Fernsehen, bei Karl Farkas, der Kindersendung „Auch Spaß muss sein“, sowie durch österreichische, deutsche und amerikanische Filme.

VOM OPERNSTAR ZUM STAR-DIRIGENTEN
1990 startete er seine weitere Karriere als Dirigent. Eine Berufsrichtung, die ihn weit über unsere Grenzen hinaus führte. So wirkte er auch 10 Jahre am „English National Theatre“ in London, wo er auch die Ballet Tänzerin „Rosemary“, seine heutige Frau, kennenlernte und sein Wirken weltweit fortsetzte. Er ist ein unermüdlicher, völlig der Kunst ergebener Mensch, der mit seinen Talenten und Aktivitäten sein Publikum und alle Kollegen begeistert und fesselt. Aber auch die Fürsorglichkeit für seine Familie, seine Liebe zu Hunden, seine Leidenschaft für gute Kulinarik und gute Literatur, sowie noch viele kleine, sehr liebenswerte Attribute gütiger Menschlichkeit: das alles ist „Prof.Herbert Prikopa“!


Foto: M. Milde

• Pauline Pfeffer

GEBURTSTAGSFEST MIT PRIKOPAPAPRIKAIADE
AM MARCHFELDERHOF


Foto: M. Milde


Der Marchfelderhof, ein Mekka für Feinschmecker im niederösterreichischen Deutsch Wagram, nahe Wiens im Marchfeld gelegen, ist auch berühmt für seine rauschenden Feste. Der dynamische Marchfelderhof-Wirt Gerhard Bocek ist weit über die Grenzen bekannt als Bewunderer und Förderer großer Künstler. Es gab daher gar keine Diskussion darüber, WO Prof. Herbert Prikopa seinen 75.Geburtstag und das Bühnenjubiläum zu feiern hat! „Ehre, wem Ehre gebührt“ - schmetterte Gerhard Bocek. „Prof. Herbert Prikopa verehre ich seit Jahrzehnten und ich werde alles dafür tun, dass sein 75er ein unvergessliches Erlebnis wird!“— Und so kam es auch: Roter Teppich, Aufmarsch der Faschingsgilde, Überreichung des „Goldenen Harlekins“, Geburtstagsständchen vieler Künstler-Kollegen, uvm. Marchfelderhof-Küchenchef Christian Langer bekochte die prominente Gästeschar mit köstlichen Prikopa-Paprika-Schmankerln und Prof. Lore Krainer hielt eine berührende Laudatio. Erst, als sich ein zu Tränen gerührtes Geburtstagskind „Prikopa“ selbst ans Klavier setzte, um seine „Kollegen“ zu begleiten---erst dann war auch Gerhard Bocek zufrieden: „Tusch!!!“—das waren die legendären „Tschinellen“, die Gehard Bocek für jedes Geburtstagskind am Marchfelderhof erschallen lässt! So natürlich auch bei Prof.Herbert Prikopa!


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