AKTUELLE AUSGABE

COVERSTORY 4/2005:



International wird sie als „singende Botschafterin Österreichs“ begeistert umjubelt und verkörpert als Typ genau das Bild, das man sich von Wien macht. Eine Diva mit Charme und Eleganz, immer fröhlich und voll Tatendrang. Als man ihr einmal ans Herz legte „Sie sollten für Wien werben!“ überlegte sie -nicht lange und schon wenige Tage später lag ein perfektes Konzept am Tisch des Werbe-Verantwortlichen, das ohne Abstriche umgesetzt wurde.

Es gibt wenige Menschen, die so offen und herzlich auf andere zugehen. Ihre Augen strahlen, ihre Freude kommt aus ganzem Herzen, die positiven Schwingungen greifen unwillkürlich auf ihren Gesprächspartner über. Natürlich kennen wir einander schon seit vielen Jahren – jedoch sehr oberflächlich. Eben von diversen Events und Galas. Umso mehr freute ich mich darüber, dass mich Birgit Sarata bat, für unser Interview doch Gast in ihrem Wiener City-Domizil zu sein.

Strahlend wie der ewige Frühling

„Ich freue mich riesig, komm doch herein!“ begrüßte mich Birgit Sarata an der Türe und begleitete mich durchs Musikzimmer in den großen Salon. Lichtdurchflutete Räume, in hellen Farben elegant und geschmackvoll eingerichtet - auch das Ambiente der Wohnung unterstreicht das Prädikat „Diva“. Auch wenn es schon November ist – strahlendes Weiß, zarte Altrosa-Töne bis sonniges Gelb vermitteln einen Hauch von Frühling. So strahlend wie Birgit Sarata selbst. „Ich war immer die perfekte Diva, wie man sie sich im Ausland so vorstellt.“ beginnt sie lachend unser Gespräch und gießt uns ein Glas perlenden Champagner ein. –„Eine Diva ist man oder ist man nicht, egal ob mit 18 oder mit 80!“ Wie stellt man sich eine Wiener Diva im Ausland so vor? – „Groß, viel Busen, ein schönes Dekolleté, Blond – obwohl typische Wienerinnen nie blond sind sondern eher brünett- aber das macht nichts, im Ausland war ich immer die perfekte Diva für die österreichische Musik und grade für die klassische Operette.“

Ein Leben mit und für die Musik

Schon im zarten Alter von vier Jahren wusste Birgit, dass sie einmal Sängerin werden will. „Ich habe immer gut gesungen und die Freude dabei war groß. Schon mit vier Jahren wollte ich Sängerin werden obwohl ich mir damals darunter sicher nichts vorstellen konnte!“. Dann begann der Ernst des Lebens für sie wie für viele andere Wiener Mädchen ihres Alters: Ballettschule, Klavierunterricht, Grundschule, Gymnasium bis zur Matura. Doch einige Abweichungen gab es schon – und die waren grundlegend für ihre folgende Musik-Karriere: Obwohl das Konservatorium der Stadt Wien Schülern erst ab 16 Jahren Unterricht gestattet schafft es Birgit mit einer Sondererlaubnis bereits mit 14, hier Gesang zu studieren.

„Ich schlüpfte heimlich in den Mantel
meiner Lehrerin“

Jeder hat ein Vorbild, ein Idol. So erging es auch Birgit Sarata, die ihre Lehrerin Ester Rethi glühend verehrte. „Sie war eine so tolle Lehrerin, hat immer blendend ausgesehen und war perfekt gekleidet von Adelmüller. Diese faszinierende Erscheinung war mir immer ein Vorbild! Sie hatte auch immer so tolle Mäntel und, wenn sie grad einmal raus gegangen ist, habe ich g´schwind den Mantel probiert und gedacht: na super, großartig! So elegant möchte ich unbedingt werden.“ Und es ist Birgit Sarata auch wirklich gelungen! Ob ganz privat zu Hause, beim Spazierengehen oder bei Empfängen und Parties – immer ist sie elegant, bestens gestylt und strahlend – eben eine vollkommene Diva!



Foto: Milan Brantusa

Ein Opernstar als singender
Botschafter für Österreich

„Ich wollte unbedingt so rasch wie möglich zur Bühne, was mir mit viel Eifer auch gelang.“ Schon mit 18 Jahren war Birgit Sarata erste Sängerin in Salzburg, dann in Nürnberg. Es folgten zahlreiche Angebote mit Gastverträgen an 33 deutschsprachigen Opernhäusern von Köln über Düsseldorf bis Zürich. 1977 ging der unvergessene „Opernführer“ Prof.Marcel Prawy für seine „Robert Stolz-Serie“ am Grazer Opernhaus auf die Suche nach einer geeigneten Partnerin für den grandiosen Kammersänger Peter Minich. Schon beim ersten „Probesingen“ war es fix: es gibt nur eine: Birgit Sarata! „Das bedeutete für mich, dass ich auch endlich wieder nach Österreich zurückkehrte! Bedingt durch meinen ersten Mann, Alfred Pitsch, war ich ja lange wie er Auslandsösterreicherin!“ Obwohl ihr Gatte sie meistens auf ihren Tourneen begleitete, lebten sich die beiden völlig auseinander. „Eine Sängerin, grade im klassischen Bereich wie ich, muss jeden Tag stundenlang üben, dann die vielen Proben, das anstrengende Gastierleben, die Reisen, man darf in keine verrauchten Lokale gehen, abends nicht mehr ausgehen – mit einem Wort: das Leben ist nicht gerade familienfreundlich, man ist der Sklave seines Berufes! Wir haben nie gestritten –dazu war gar keine Zeit, aber wir trennten uns in aller Freundschaft.“ Als Bühnensängerin bestritt Birgit Sarata 30 Premieren an der königlichen Oper in Belgien, Gastspiele führten sie mit „Don Giovanni“ (als Donna Elvira), der „Zauberflöte“ (als Pamina und Erste Dame) über „Othello“ (als Desdemona) und „Rheingold“ (als Freia) nach Italien, Frankreich, Spanien und Portugal. Der Produktion von „Land des Lächelns“ als Partnerin von Rene Kollo folgten viele TV Angebote, sie war Stargast in allen ZDF-Shows und kennt fast alle europäischen TV-Studios. Im „Theater des Westens“ in Berlin brillierte sie in 200 Vorstellungen in der Titelrolle „Frau Luna“, in 23 Inszenierungen sang sie die Titelrolle der „Lustigen Witwe“ – eine Operette, die sie bis an die „kaiserliche Oper in Teheran“ brachte, wo sie für den Schah von Persien sang. Über 200 Orchesterkonzerte führten sie in die USA, es folgten große Konzerttourneen in Japan, Südamerika und Kanada als einzige Solistin im klassischen Bereich mit Orchester.
Auch privat fand sie wieder Glück: der verwitwete Unternehmer Konsul Rajer und die Diva verliebten sich bei einer geschäftlichen Besprechung auf den ersten Blick ineinander und nach drei Jahren läuteten wieder die Hochzeitsglocken.

Von der Sängerin zur Managerin

Auf über 100 Kreuzfahrten wurde sie als Stargast engagiert. Ihre „One –Woman-Shows“ wurden zu ihrem neuen Markenzeichen. „Ich las unzählige Bücher und historische Abhandlungen aus dem Leben und der Zeit der Operetten-Komponisten und stellte dann nicht nur die Musikarrangements selbst zusammen, ich gestaltete auch die Zwischentexte und moderierte selbst jede Show.“ Dabei gelang es Birgit Sarata hervorragend, stets ihren unwiderstehlichen Wiener Charme zu versprühen. Insgesamt stehen 150 Titel in verschiedenen Sprachen jederzeit für ein Orchester bis 80 Mann abrufbereit zur Verfügung. Nach dem Tod ihres Mannes wollte sie nicht mehr auf Kreuzfahrtschiffe gehen – sie wollte nur noch Eines: in Wien bleiben!
In den vergangenen Jahren hat die große Wiener Diva einen weiteren Meilenstein gesetzt: sie engagiert sich für die Vermittlung vieler österreichischer Künstler. Seit 2002 wurde Birgit Sarata von der Stadt Wien als Managerin für das Programm des „Silvesters & Neujahrstages“ am Wiener Rathausplatz verpflichtet. „Da hab´ich mich hingesetzt und all meine Auslandserfahrungen eingesetzt. Ich wusste ja genau, wie z.B. ein Brasilianer, ein Japaner oder ein Amerikaner reagiert und was dieses Publikum auch will!“ Sie schrieb einen Programmablauf, der sofort angenommen wurde. „Man hat nicht einen Punkt geändert und alles akzeptiert – das Risiko lag allerdings bei mir!“ Mit aller Kraft engagiert sie an die 80 Künstler und freute sich riesig, als diese bejubelt wurden. Und Birgit Sarata selbst? –„Ich bin glücklich, wenn es meinen Künstlern gut geht, ich ihnen Auftritte und Chancen vermitteln kann! Ich stehe lieber hinter der Bühne! Ich selbst brauch´ nichts, denn ich habe ja den Auftrag der Stadt“
Der Erfolg blieb nicht aus: Am Silvester 2004 waren 15.000 Menschen am Rathausplatz und feierten bei einem fulminanten Feuerwerk der Musik bis ins Neue Jahr.


Meine Künstler sind die Nummer Eins!

Doch das Engagement von Birgit Sarata ist noch weit umfangreicher: sie organisiert Musik-Shows für die Seniorentage, für die Messe „Jeden für Jeden“ – für den Tag der „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“. „Ich habe einen Auftrag – der Künstler ist die Nummer Eins! Daher stehe ich auch auf keinem der Plakate dieser Veranstaltungen! Ich gebe gerne die Lorbeeren weiter.“ Im Sommer 2005 konnte Wien´s Vitebürgermeisterin Grete Laska die Diva dazu überreden, etwas für den Wiener Prater zu unternehmen. „Erst wollte ich gar nicht richtig, dann habe ich aber doch die Sonntag-Mittags-Konzerte ins Leben gerufen. Alle Prater-Wirte, die vorerst skeptisch waren lieben mich heute! Der Konzertsommer im Prater war ein sensationeller Erfolg!“ Von Andy Lee Lang, über Waterloo & Robinson, einem griechischen Frühschoppen mit Georges Dimou bis zu den Malat-Schrammeln spannte sich der musikalische Bogen. Welche Pläne hat Birgit Sarata: „Ich bin immer auf der Suche nach neuen Talenten, habe eine riesige Freude, wenn ich helfen und jungen Menschen eine Chance vermitteln kann. Ich selbst bin dankbar für die vielen Erfolge, die ich haben durfte und möchte dies jetzt gerne anderen ermöglichen.“

Birgit Sarata – eine große Österreicherin

So freut sich Birgit Sarata über die vielen Auszeichnungen, die sie schon erhalten hat, vom „Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft der Republik Österreich“ über die „Euro Globe Trophy für europäische Verdienste“, den „Preis für Menschlichkeit des Jahres 2004 vom Land Wien“, das „Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien“ bis zur „Goldmünze Calafati“ für Verdienste um den Wiener Prater 2005, u.v.m.

Doch das, was eine echte Diva ausmacht, das durfte auch ich bei Birgit Sarata erleben: Trotz unglaublich großem Erfolg, trotz aller glänzender Auszeichnungen und Orden, trotz schillernder Society-Auftritte und Parties – Birgit Sarata ist ein bewundernswert herzlicher, großzügiger und natürlicher Mensch geblieben. Eine „Grand Dame“ der Wiener Gesellschaft, die den ganzen Charme unserer Heimatstadt Wien mit sich trägt und überall auf der Welt als Botschaft vermittelt. Ich bin mächtig stolz darauf, diese große Österreicherin kennen zu dürfen!

Eva-Maria Milde


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