AKTUELLE AUSGABE

KÜNSTLER PORTRAIT 1/2007:

Pauline Pfeffer –
stimmgewaltige Diva aus Wien


Sie stand wie gewohnt am Herd ihrer Küche, schmetterte dazu eine fröhliche Operettenmelodie und freute sich schon, ihre Lieben mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen zu dürfen. Was sie nicht bemerkte: in der Tür stand schon eine Weile Josefine Rodica, eine geachtete Größe bei Gesangs-Profis und war fasziniert von Pauline´s Stimme: „Was machst Du hier in der Küche? –Du musst raus hier, auf die Bühne! Wenigstens bis Mitternacht, wie Cinderella!“

Fotos: Privat

Heute kann man sagen, dass dieses Gespräch zwischen dampfenden Küchentöpfen und dem elegant gedeckten Speisezimmer Tisch bannbrechend war und die großartige Pauline Pfeffer wieder zurück in die Welt der Musik holte.


Musik liegt schon in ihren Genen

Pauline ist gebürtige Wienerin und lebt auch heute noch gerne hier. Ihre Eltern waren beide großartige Musikgenies und stammten aus Kroatien. Schon im zarten Alter von fünf Jahren spielte Pauline am Klavier nicht die üblichen Kinderlieder sondern begeisterte mit der Melodie der „Madame Butterfly“. Der Vater – selbst Professor für Gesang in Zagreb- und die Mutter – eine groß gefeierte Operndiva ihrer Zeit- entdeckten und förderten bald das Musiktalent ihres Töchterchens. „Ich studierte mit Feuereifer an der Wiener Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien Klavier, wollte unbedingt Konzertpianistin werden.“ Erzählt die überaus charmante und aparte Pauline Pfeffer. „Doch plötzlich nahm mich mein Vater aus der Schule. Da half kein Protest meinerseits – er meinte, ich müsse erst einmal einen ordentlichen Beruf erlernen, bevor ich mich der Musik ausliefere!“ Was blieb der braven Tochter also übrig? –Nichts! Sie gehorchte artig, absolvierte die Handelsakademie und wurde Bankangestellte.


Cinderellas Aufstieg in die Welt der Musik

Wenn Jemandem Musik und ganz besonders Gesang so im Blut liegt, wie Pauline Pfeffer, dann gibt er sich nicht mit einem „normalen“ Leben zufrieden. „Ich habe immer weiter gesungen – aber eben nur für mich. Ich sang beim Kochen, beim Bügeln, bei der Gartenarbeit. Doch dann wurde ich immer unruhiger und stellte mir selbst die Frage: wofür hast Du Dein Talent bekommen? Nur für zu Hause?“ – Dann kam die besagte Episode mit Josefina Rodica, der Präsidentin der rumänischen Johann-Strauß-Gesellschaft, die Pauline buchstäblich hinter dem Herd hervorholte und für Konzerte wieder auf die Bühne stellte. Ab sofort verbindet Pauline Pfeffer bravourös ihre Rolle als dreifache Mutter und Hausfrau mit der der Diva auf den Konzertbühnen der ganzen Welt. Der international beachtete Durchbruch gelang ihr 2004 beim großen Johann-Strauß-Festival in Orada (Rumänien), die Johann-Strauß Gesellschaft Großbritannien engagierte sie nach London. Im Präsidentenpalast in Bukarest brillierte Frau Pfeffer 2006 mit einer umjubelten „One-Woman-Show“: im Rahmen des Musikfestivals spielte sie am Klavier – Sonaten, ohne Gesang. „Einfach zum Ausruhen“- lacht Sie übermütig.

Zukunftspläne

Ob sie bereut, dass sie ihre Karriere der Kinder wegen unterbrochen und fast aufgegeben hat? „Ich habe meine Zeit für die Familie gerne hergegeben. Ich bin auch heute jede Minute meiner Freizeit für sie da und danke ihnen, dass sie mich nicht nur unterstützen, sondern sogar anspornen.“ Das heurige Jahr ist schon gut durchgeplant: am 21.April singt Pauline Pfeffer im Kurhaus von Bad Tatzmannsdorf mit einem Tenor einen Lieder- und Arienabend als „Charity“ für den Sterntalerhof, am 31.Mai gibt’s einen italienischen Abend in Wien (Haus Hofmannstal), vom 26.August bis 1.September geht es mit Orchesterabenden und einem Wiener Abend gemeinsam mit anderen Solisten der Oper nach Timisoara (Temeswar), im Oktober steht das Barockfestival in Samobor(bei Zagreb) am Plan. Ein Blick in die weitere Zukunft? –„Jeder sollte weitergeben, was er gelernt hat. Ich möchte einmal meine eigene private Schule haben und Meisterkurse für Gesang abhalten.“ Wo ihr Büro dann sein wird, weiß Pauline Pfeffer noch nicht. Aber es könnte überall sein - auch am Meer! – Vielleicht ein Märchenschloss für neue Cinderellas?

• Eva-Maria Milde


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