AKTUELLE AUSGABE

HEIMAT BIST DU GROSSER SÖHNE 2/2008:

Univ-Prof.Dr.BERND LÖTSCH– Geraldirektor des Naturhistorischen Museums Wien


Geboren im September 1941 studierte er an der Universität Wien Biologie und Chemie, promovierte 1970 zum Dr.phil., war von 1966-1973 Assistent am Pflanzenphysiologischen Institut in Wien, hat sich 1973 an der Universität in Salzburg habilitiert und ist seitdem an den Universitäten Salzburg und Wien tätig. Das Filmhandwerk erlernte er bei seinem Vater Prof.Bruno Lötsch, was er in unzähligen grandiosen Forschungsfilmen und Dokumentation eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Mit großem Engagement kämpfte er für den Umweltschutz, gegen eine Neusiedlersee- Brücke und für den Schutz der Donau-Auen, seit 1994 ist er mit Leib und Seele Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, in dem er auch eine Abteilung für Ökologie eingerichtet hat.
Foto: M. Milde

Er hält symbolisch schützend seine Hände über die Natur der ganzen Welt. Wer seine zündenden Reden bei Ausstellungsseröffnungen in seinem NHM kennt, der weiß auch, dass er alles, was er anpackt, mit 100% Überzeugung tut. Wer meint, alle Dinge, die mit einem Museum zu tun haben, seien nur alt, verstaubt und eben „vorbei“, der irrt gewaltig! Den besten Gegenbeweis liefert das NHM-Wien, eines der bedeutenden Museen der Welt. Mit umfassenden Präsentationen mittels moderner Ausstellungstechnik und speziellen Sonderschauen gelingt es allen Wissenschaftern des Hauses, Geschichte lebendig zu erhalten und das Verständnis für Zusammenhänge zu fördern.

ZUKÜNFTIGE GENERATIONEN
SOLLEN IN SCHÖNHEIT UND WÜRDE LEBEN KÖNNEN
Unsere „moderne Welt“ sieht Univ-Prof.Dr.Bernd Lötsch nicht nur als Fortschritt und mahnt alle, Überlieferung alter Lebensformen nicht zu missachten: „In Schönheit und Würde leben können – dazu gehört nicht bloß eine giftfreie Batteriehaltung von Nutzmenschen in Wohnsilos gesichtsloser und geschichtsloser Neusstadtviertel!“ - mahnt er ! „Dazu gehört eine artenreich belebte, natürliche Mitwelt und die Erhaltung von organisch Gewachsenem, naturhistorisch ebenso wie kulturhistorisch .“


Die Wachau ist nicht nur die Heimat der Venus von Willendorf,
sondern auch die der weltberühmten Marillen. Grund genug, beides im Jubiläumsjahr mitsammen zu verbinden! Im Bild: Gen.Dir.Univ.-Prof Dr.Bernd Lötsch mit einer Kopie der „Venus“ und „Marmeladen-King“ Dkfm Hans Staud mit einem Glas „Wachauer-Marillen“. In limitierter Auflage wird ein „Dopppelpack“ der beiden Raritäten im Museumsshop
des NHM erhältlich sein!
Foto: M. Milde

100 JAHRE VENUS VON WILLENDORF
IM NATURHISTORISCHEN MUSEUM
Als im Jahre 1908 Archäologen des NHM Wien in Willendorf eine kleine Steinstatue ans Tageslicht beförderten, wussten sie sofort: das ist etwas Besonderes! Und wirklich: Die etwa 25.000 Jahre alte Figur ist eines der schönsten Beispiele der fast in ganz Europa von Frankreich bis nach Russland verbreiteten Frauenstatuetten des Gravettien. Heuer, zum 100-jährigen Jubiläum, gibt es für die „älteste Wachauerin“ natürlich einige Festivitäten. „Natürlich mussten wir zum Centennium des Sensationsfundes eine große Sonderausstellung ankündigen, wobei es an ein Wunder grenzt, dass wir noch mehrere der unschätzbar kostbaren Originale von befreundeten Instituten bekommen werden.“ – so Generaldirektor Univ.-Prof. Dr.Bernd Lötsch. „Doch selbst damit und den wichtigsten Repliken würde das noch keine Sonderausstellung ergeben. Daher entschlossen wir uns, das prähistorische Umfeld der eiszeitlichen Tundren- Schönheit auszuleuchten – Wildtiere, Landschaft, Überlebenstechniken der Mammutjäger - etwa wie man ohne Gefäße, die man auf´s Feuer setzen könnte, Fleischbrühe kocht (in einer Grube, mit Haut ausgekleidet undglüh-heißen Steinen, die man vom Lagerfeuer als Tauchsieder hineinwirft). Über den Schamanismus soll erzählt und gezeigt werden, was möglich ist. Der größte Saal wird in mystisches Dunkel getaucht, atmosphärisch möglichst auf Höhlen-Anmutung getrimmt, um in diesem zwischen angedeuteten Tropfsteinen und Kalk- sinter-Pfeilern einige Höhepunkte der Steinzeitmalerei herauszuleuchten. Ein angrenzender Raum gehört den Museumspädagogen für praktische „Fels“-Malerei und andere Handfertigkeiten im Kielwasser der experimentellen Archäologie. Insgesamt wird es die teuerste Sonderausstellung meines Direktorats, denn bisher hat uns das Sanieren und Neu-Aufstellen im Dauerschaubereich fast alle Kräfte gebunden. Diesmal haben wir sogar einen Bühnenbildner, der in Frankfurt und Zürich an den Schaulspielhäusern sehr erfolgreich war, nach Wien geholt.“



Foto: NHM

DIE VENUS KEHRT ZURÜCK
Von 1908 bis 1998 lag die Venus von W. ausschließlich im Tresor und nur Gelehrte und Top-Sponsoren durften das „paläolitische Busenwunder“ mit weißen Handschuhen anfassen. Dann gelang es Gen.Dir.Dr.Lötsch mit einem Cleveren Schachzug zu der so sehr herbeigesehnten, aber viel zu teurem Panzer-Glasvitrine zu kommen: er verlieh die Venus als „Erstpräsentation“ an Dr.Helmut Pechlaner für seine „4 Millionen Jahre Mensch“- Sonderschau in der Orangerie Schönbrunn. Bedingung war die Vitrine, die dann quasi als „Leihgebühr“ ins Eigentum des NHM-Wien überging. Heuer, zum 100.Jahrestag ihrer Entdeckung ging die Venus wieder auf die Reise: in Armee-Panzern ging es ins Landesmuseum St.Pölten . „Das war schon liebeswert komisch!“ So Gen.Dir Dr.Lötsch. „ ...und das Blitzlichtgewitter der Journalisten, die die Venus endlich einmal OHNE Panzerglas vor die Linse bekamen habe ich erst einmal so erlebt: als wir damals mit Sinowatz über die Au verhandelt haben!“ – Wie schwer ist denn eigentlich diese kleine, 11 cm große Dame? – „Das Gewicht des fülligen Idols ist streng geheim!“ so Gen.Dir.Dr.Lötsch, der die Venus von Willendorf auch gerne als „schamanische Östrogenbombe“ betitelt – diente sie doch wahrscheinlich als Fruchtbarkeitszauber! „Das Statuettengewicht weiß jeweils nur der Chef der Prähistorie auf ein Zehntel mg genau. Damit würde man selbst die geschickteste Replik sofort entlarven.“

• EMM


Foto: NHM


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