|
erwurzelt mit der Welt des Theaters
gilt sein Streben nicht nur dem Verkörpern einzelner Rollen
als Vollblut-Schauspieler, Marcus Strahl will mehr: Er arbeitet
berühmte Romane oder Filme zu Bühnenstücken um, inszeniert,
führt Regie, ist Festspiel-Intendant, engagiert sich für Schauspieler-Nachwuchs
und gründet eine eigene Bühne, die Schaubühne Wien. Kultur-
Redakteur Billy Bencsits hat mit Marcus Strahl geplaudert:
Herr Strahl,
Ihr Kalender ist ja wieder voll bis an den Randwas ist Ihre
momentane Tätigkeit? Autor, Regisseur, Schauspieler, Intendant,
Theaterdirektor, Prüfer…….?
Marcus Strahl(lacht): Naja, einiges
davon ist ja Gott sei Dank nicht täglich zu tun. Anderes dafür
ist ein Dauerjob. Prüfungen für die Abteilung Schauspiel zum
Beispiel, finden meist nur zwei Mal pro Jahr statt. Intendant
dagegen ist man, solang der Vertrag läuft – das bedeutet,
am Tag nach der letzten Vorstellung beginnen die Vorbereitungen
für die nächste Saison.
Sie sind
Intendant in der schönen Wachau. Wie ist es dazu gekommen?
Das ist eine interessante Frage.
Viele sind der Überzeugung, dass das in irgendeiner Form mit
meiner Mutter, die ja als „Mariandl“ die heimliche Königin
der Wachau ist, zusammenhängen muss. Aber das hat ein bißchen
anders begonnen. Einer meiner Förderer von Jugend an war Prof.Dr.Peter
Janisch. Ein wunderbarer Mensch und Mäzen junger Talente.
Er hat in seinem Ateliertheater am Naschmarkt, bei den Melker
Sommerspielen, bei den Raimundspielen in Gutenstein und bei
der Gründung der Komödienspiele Weißenkirchen nie auf mich
vergessen. So durfte ich im Jahr 2000 im Wachauer Eröffnungsjahr
gleich den Titus Feuerfuchs in Nestroys „Talisman“ verkörpern
– bis heute einer meiner größten Erfolge. Aber auch konnte
ich mit Regieprojekten – unter anderem in Gutenstein mit „Der
Diamant des Geisterkönigs“ und „Die gefesselte Phantasie“
mein Talent in einer anderen Richtung versuchen. Als sich
Janisch dann 2004 zurück gezogen hat, wurde ich von der Gemeinde
Weißenkirchen gebeten die Sommerspiele weiter zu führen. Ich
wollte allerdings ein bißchen mehr den regionalen Charakter
betonen und damit aber den überregionalen Bekanntheitsgrad
steigern – mit der Einbeziehung der Weltmarke „Wachau“ ist
das dann auch sehr gut gelungen. Das erste Spieljahr der „Wachaufestspiele“
2005 wurde gleich, und somit bin ich wieder bei Ihrer Frage,
der größte Erfolg in der Wachauer Theatergeschichte. „Der
Hofrat Geiger“ in der Regie von Erwin Strahl – in den Hauptrollen
Waltraut Haas und Erwin Strahl war wirklich ein Coup, auf
den ich bis heute stolz bin. Viele große Künstler haben sich
in den letzten 5 Jahren auf der Bühne des Teisenhoferhofs
präsentieren können: Gerald Pichowetz und Hilde Rom (Hallo
Dienstmann), Peter Uray (Der Verkaufte Großvater); Peter Lodynski,
Waltraut Haas (Olympia) etc. Jedenfalls finden heuer zwei
Jubiläen statt: 5 Jahre Wachaufestspiele und 10 Jahre Schauspiel
in Weißenkirchen. Wir bleiben auch 2009 unserem Stil und unserer
Richtung treu und zeigen eine echte Rarität: „Hofloge“ von
Karl Farkas. Mit dem Gerhard Dorfer und der Ulli Fessl – auf
die Arbeit freu ich mich schon sehr – vor allem wieder einmal
mit meiner Frau Leila zu arbeiten. Sie wird die weibliche
Hauptrolle der Hortense verkörpern. Für 2010 versuche ich
gerade wieder meine Eltern zu kapern. Da gibt’s aber noch
keine konkreten Fakten.
 |
Arbeiten
Sie gern und oft mit Ihrer Familie?
Sehr gern, aber nicht so oft, wie
ich möchte – die Familie harmoniert nicht nur privat, sondern
auch künstlerisch herrscht meist die schönste Eintracht. Meine
Frau Leila zum Beispiel ist ganz toll in den Schauspielberuf
reingewachsen. Sie war eine wunderbare Ballerina mit Engagements
an der Volksoper Wien, Stadttheater Baden, Berlin, Linz etc.
Eine Zeit war sie dann als Musicaldarstellerin in der Schweiz,
Deutschland, Wien und Klagenfurt tätig. Seit ein paar Jahren
gehört ihre große Liebe allerdings dem Theater und sie hat
als Quereinsteigerin schon die größten und schwierigsten Rollen
wie die Paulina Salas in „Der Tod und das Mädchen“, Molnars
„Olympia“ etc. mit Bravour gemeistert. Da bin ich dann wirklich
stolz und freu´ mich mehr als über meine eigenen Erfolge.
Mit meinen Eltern stehe ich selten auf der Bühne – ich erinnere
mich aber mit Freude an eine „Bockerer- tournee“ , an den
Shakespeare in Kishons „Es war die Lerche“ mit meinen Eltern
als Romeo und Julia in reifen Jahren und „Das Konzert“ als
Dr.Jura und mit meinen Eltern als „Marie“ und „Heink“
 |
Sind Ihre
Eltern Ihre Vorbilder?
Unbedingt! Sowohl als Künstler,
als auch als Menschen. Als Künstler bieten Sie ein sehr unterschiedliches
Verhalten an ihre Rollen heran zu gehen – mein Vater als „Kopfkünstler“
mit einer wunderbaren aber auch gnadenlosen Perfektion – dagegen
meine Mutter, die Intuitiv, aus dem Bauch heraus das spielt,
was sie fühlt. Ich glaube, ich bin in der Beziehung eine wilde
Mischung der beiden. Als Schauspieler eher wie meine Mutter,
als Regisseur eher der Vater. Als Menschen sind die beiden
sowieso die größten Vorbilder, die man sich wünschen kann.
Seit 43 Jahren verheiratet. Die wunderbarsten, herzlichsten,
großzügigsten und gütigsten Eltern, die es gibt. Streit gabs,
wenn überhaupt, nur wenn es um meine Erziehung ging. Ich rechne
es übrigens meinem Vater bis heute hoch an, dass er die Mutter
meiner Mutter anstandslos im gemeinsamen Familienhaushalt
akzeptiert hat. Sie wurde wirklich zu meiner zweiten Mutter
und hat bis zu ihrem Tod bei uns im Haus gelebt und war für
mich da. Ich werd‘ sie nie vergessen.
Die unvermeidliche
Frage: Haben Sie Vorteile oder Nachteile durch das große Künstlervorbild
Waltraut Haas und Erwin Strahl?
Ja, das ist wirklich „die“ unvermeidliche
Frage. Ich sage darauf meistens: Es gibt Vorteile und Nachteile
– natürlich kommst Du als Berufsanfänger eher in Künstlerkreise,
um für Dich selbst auch Vorteile zu finden, aber es wird auf
der anderen Seite auch um einiges mehr von den Promi- Sprösslingen
erwartet. Nun, inzwischen freu ich mich, dass die Leute zwar
wissen, wer meine Eltern sind (denn ich bin maßlos stolz auf
die Beiden) mich aber künstlerisch als selbständige Persönlichkeit
akzeptiert haben.
Das Stichwort
ist gefallen: Sie haben sich also selbständig gemacht?
Nun, ich habe von Anfang an selbständig
gearbeitet…ich war drei Jahre in St.Pölten (früher Theater
der Landeshauptstadt, jetzt Landestheater) und 2 Jahre bei
den Vereinigten Bühnen Graz fix beschäftigt, habe dann 10
Jahre die Wiener Szene kennen(und sowohl hassen als auch lieben)
gelernt. 2006 wurde dann mein „Lieblingsbaby“ geboren: Ich
habe eine freie Theatergruppe gegründet. Die “Schaubühne Wien“.
(www.schaubuehnewien.at) Wir mieten uns in Theater ein, bei
denen wir finden, dass unsere Stücke am besten hin passen.
Momentan proben wir für „Dinner für Spinner“, eine wunderbare
französische Komödie, die bis 31.Dezember im Theater Center
Forum in Wien läuft. Dann beginnen die Proben für die Wiener
Erstaufführung von „Der Schüler Gerber“ Zum 100.Geburtstag
von Friedrich Torberg. Gespielt wird unter anderem im „Dschungel
Museumsquartier“. Ich werde Regie führen und auch spielen
(das mache ich sonst so gut wie nie). Aber die Rolle des „bösen“
Prof. Gott Kupfer hat mich so gereizt, dass ich es wagen will.
Felix Mitterer ist einer meiner Lieblingsautoren – Ich habe
schon drei Stücke von ihm inszeniert. Er hat den großen Torberg-Roman
grandios für die Bühne bearbeitet – ich bin stolz, dass der
Verlag gerade uns die Rechte für die Wiener Erstaufführung
gegeben hat.
 |
Gehen
wir weiter in Ihrer Job – Vielfalt: Was steht denn als Schauspieler
außer „Gott Kupfer“ demnächst an?
Zwei ganz große „Kisten“ warten
auf mich: Bruno Thost hat mich gefragt ob ich bei seinen Schwarzwaldfestspielen
Seelbach (er ist dort Intendant) die Rolle des Cyrano de Bergerac
übernehmen will. Eine Herausforderung der Sonderklasse! Letztes
Jahr habe ich dort schon den Wilhelm Tell gespielt. Und davor
wartet bei den Festspielen Schloß Sitzenberg die wunderbare
Rolle des Bluntschli in „Helden“. Intendantin Michaela Ehrenstein
wird meine Partnerin, die Raina sein- meine Frau Leila wird
als Louka zu sehen sein. Dazwischen gibt es wieder einige
„Urfaust – Vorstellungen. Ich spiele seit 10 Jahren in dieser
Produktion schon den Faust (langsam komme ich ins richtige
Alter). Wir waren damit schon in St.Petersburg, Straßbourg,
Deutschland, Polen und, und, und.
Abschließend,
was hat es denn mit dem Autor Strahl auf sich?
Da bin ich noch nicht so weit gekommen,
wie in den anderen Jobs. Der korrekte Ausdruck wäre auch eher:
„Bühnenfassung-Ersteller“. Bei zwei Filmen hab ich für den
Thomas Sessler Verlag Bühnenfassungen erstellt: Den berühmten
Film „Bockerer 2“ habe ich bearbeitet und daraus das Stück
“Die 5 im Jeep“ gemacht. Das zweite Stück ist zusammen mit
Robert Mohor entstanden: „Hallo Dienstmann“ nach dem legendären
Film mit Hans Moser und Paul Hörbiger.
Ihr größter
Berufswunsch?
Für meine „Schaubühne“ eine Subvention
zu bekommen um drei bis 4 Produktionen pro Jahr auf die Beine
stellen zu können, ohne immer zittern zu müssen, ob die Sponsoren
wieder mitmachen. Können Sie mir dabei helfen? (lacht)
Vielen
Dank für das Gespräch!
Ich habe zu danken.
|