AKTUELLE AUSGABE

Coverstory 4/2008:

MARCUS STRAHL
– Vollblut-Schauspieler mit Wiener Charme



... ab Titus Feuerfuchs in Nestroys „Talismann"

Mit Begeisterung und Enthusiasmus trat er nicht nur in die Fußstapfen seiner berühmten Eltern Waltraut Haas und Erwin Strahl, auch seine Gattin Leila steht oft an seiner Seite auf den Brettern, die bekanntlich für Schauspieler die Welt bedeuten: Marcus Strahl, ein immer fröhlicher und charmanter Wiener!
Fotos: privat

erwurzelt mit der Welt des Theaters gilt sein Streben nicht nur dem Verkörpern einzelner Rollen als Vollblut-Schauspieler, Marcus Strahl will mehr: Er arbeitet berühmte Romane oder Filme zu Bühnenstücken um, inszeniert, führt Regie, ist Festspiel-Intendant, engagiert sich für Schauspieler-Nachwuchs und gründet eine eigene Bühne, die Schaubühne Wien. Kultur- Redakteur Billy Bencsits hat mit Marcus Strahl geplaudert:

Herr Strahl, Ihr Kalender ist ja wieder voll bis an den Randwas ist Ihre momentane Tätigkeit? Autor, Regisseur, Schauspieler, Intendant, Theaterdirektor, Prüfer…….?

Marcus Strahl(lacht): Naja, einiges davon ist ja Gott sei Dank nicht täglich zu tun. Anderes dafür ist ein Dauerjob. Prüfungen für die Abteilung Schauspiel zum Beispiel, finden meist nur zwei Mal pro Jahr statt. Intendant dagegen ist man, solang der Vertrag läuft – das bedeutet, am Tag nach der letzten Vorstellung beginnen die Vorbereitungen für die nächste Saison.

Sie sind Intendant in der schönen Wachau. Wie ist es dazu gekommen?

Das ist eine interessante Frage. Viele sind der Überzeugung, dass das in irgendeiner Form mit meiner Mutter, die ja als „Mariandl“ die heimliche Königin der Wachau ist, zusammenhängen muss. Aber das hat ein bißchen anders begonnen. Einer meiner Förderer von Jugend an war Prof.Dr.Peter Janisch. Ein wunderbarer Mensch und Mäzen junger Talente. Er hat in seinem Ateliertheater am Naschmarkt, bei den Melker Sommerspielen, bei den Raimundspielen in Gutenstein und bei der Gründung der Komödienspiele Weißenkirchen nie auf mich vergessen. So durfte ich im Jahr 2000 im Wachauer Eröffnungsjahr gleich den Titus Feuerfuchs in Nestroys „Talisman“ verkörpern – bis heute einer meiner größten Erfolge. Aber auch konnte ich mit Regieprojekten – unter anderem in Gutenstein mit „Der Diamant des Geisterkönigs“ und „Die gefesselte Phantasie“ mein Talent in einer anderen Richtung versuchen. Als sich Janisch dann 2004 zurück gezogen hat, wurde ich von der Gemeinde Weißenkirchen gebeten die Sommerspiele weiter zu führen. Ich wollte allerdings ein bißchen mehr den regionalen Charakter betonen und damit aber den überregionalen Bekanntheitsgrad steigern – mit der Einbeziehung der Weltmarke „Wachau“ ist das dann auch sehr gut gelungen. Das erste Spieljahr der „Wachaufestspiele“ 2005 wurde gleich, und somit bin ich wieder bei Ihrer Frage, der größte Erfolg in der Wachauer Theatergeschichte. „Der Hofrat Geiger“ in der Regie von Erwin Strahl – in den Hauptrollen Waltraut Haas und Erwin Strahl war wirklich ein Coup, auf den ich bis heute stolz bin. Viele große Künstler haben sich in den letzten 5 Jahren auf der Bühne des Teisenhoferhofs präsentieren können: Gerald Pichowetz und Hilde Rom (Hallo Dienstmann), Peter Uray (Der Verkaufte Großvater); Peter Lodynski, Waltraut Haas (Olympia) etc. Jedenfalls finden heuer zwei Jubiläen statt: 5 Jahre Wachaufestspiele und 10 Jahre Schauspiel in Weißenkirchen. Wir bleiben auch 2009 unserem Stil und unserer Richtung treu und zeigen eine echte Rarität: „Hofloge“ von Karl Farkas. Mit dem Gerhard Dorfer und der Ulli Fessl – auf die Arbeit freu ich mich schon sehr – vor allem wieder einmal mit meiner Frau Leila zu arbeiten. Sie wird die weibliche Hauptrolle der Hortense verkörpern. Für 2010 versuche ich gerade wieder meine Eltern zu kapern. Da gibt’s aber noch keine konkreten Fakten.

Arbeiten Sie gern und oft mit Ihrer Familie?

Sehr gern, aber nicht so oft, wie ich möchte – die Familie harmoniert nicht nur privat, sondern auch künstlerisch herrscht meist die schönste Eintracht. Meine Frau Leila zum Beispiel ist ganz toll in den Schauspielberuf reingewachsen. Sie war eine wunderbare Ballerina mit Engagements an der Volksoper Wien, Stadttheater Baden, Berlin, Linz etc. Eine Zeit war sie dann als Musicaldarstellerin in der Schweiz, Deutschland, Wien und Klagenfurt tätig. Seit ein paar Jahren gehört ihre große Liebe allerdings dem Theater und sie hat als Quereinsteigerin schon die größten und schwierigsten Rollen wie die Paulina Salas in „Der Tod und das Mädchen“, Molnars „Olympia“ etc. mit Bravour gemeistert. Da bin ich dann wirklich stolz und freu´ mich mehr als über meine eigenen Erfolge. Mit meinen Eltern stehe ich selten auf der Bühne – ich erinnere mich aber mit Freude an eine „Bockerer- tournee“ , an den Shakespeare in Kishons „Es war die Lerche“ mit meinen Eltern als Romeo und Julia in reifen Jahren und „Das Konzert“ als Dr.Jura und mit meinen Eltern als „Marie“ und „Heink“

Sind Ihre Eltern Ihre Vorbilder?

Unbedingt! Sowohl als Künstler, als auch als Menschen. Als Künstler bieten Sie ein sehr unterschiedliches Verhalten an ihre Rollen heran zu gehen – mein Vater als „Kopfkünstler“ mit einer wunderbaren aber auch gnadenlosen Perfektion – dagegen meine Mutter, die Intuitiv, aus dem Bauch heraus das spielt, was sie fühlt. Ich glaube, ich bin in der Beziehung eine wilde Mischung der beiden. Als Schauspieler eher wie meine Mutter, als Regisseur eher der Vater. Als Menschen sind die beiden sowieso die größten Vorbilder, die man sich wünschen kann. Seit 43 Jahren verheiratet. Die wunderbarsten, herzlichsten, großzügigsten und gütigsten Eltern, die es gibt. Streit gabs, wenn überhaupt, nur wenn es um meine Erziehung ging. Ich rechne es übrigens meinem Vater bis heute hoch an, dass er die Mutter meiner Mutter anstandslos im gemeinsamen Familienhaushalt akzeptiert hat. Sie wurde wirklich zu meiner zweiten Mutter und hat bis zu ihrem Tod bei uns im Haus gelebt und war für mich da. Ich werd‘ sie nie vergessen.

Die unvermeidliche Frage: Haben Sie Vorteile oder Nachteile durch das große Künstlervorbild Waltraut Haas und Erwin Strahl?

Ja, das ist wirklich „die“ unvermeidliche Frage. Ich sage darauf meistens: Es gibt Vorteile und Nachteile – natürlich kommst Du als Berufsanfänger eher in Künstlerkreise, um für Dich selbst auch Vorteile zu finden, aber es wird auf der anderen Seite auch um einiges mehr von den Promi- Sprösslingen erwartet. Nun, inzwischen freu ich mich, dass die Leute zwar wissen, wer meine Eltern sind (denn ich bin maßlos stolz auf die Beiden) mich aber künstlerisch als selbständige Persönlichkeit akzeptiert haben.

Das Stichwort ist gefallen: Sie haben sich also selbständig gemacht?

Nun, ich habe von Anfang an selbständig gearbeitet…ich war drei Jahre in St.Pölten (früher Theater der Landeshauptstadt, jetzt Landestheater) und 2 Jahre bei den Vereinigten Bühnen Graz fix beschäftigt, habe dann 10 Jahre die Wiener Szene kennen(und sowohl hassen als auch lieben) gelernt. 2006 wurde dann mein „Lieblingsbaby“ geboren: Ich habe eine freie Theatergruppe gegründet. Die “Schaubühne Wien“. (www.schaubuehnewien.at) Wir mieten uns in Theater ein, bei denen wir finden, dass unsere Stücke am besten hin passen. Momentan proben wir für „Dinner für Spinner“, eine wunderbare französische Komödie, die bis 31.Dezember im Theater Center Forum in Wien läuft. Dann beginnen die Proben für die Wiener Erstaufführung von „Der Schüler Gerber“ Zum 100.Geburtstag von Friedrich Torberg. Gespielt wird unter anderem im „Dschungel Museumsquartier“. Ich werde Regie führen und auch spielen (das mache ich sonst so gut wie nie). Aber die Rolle des „bösen“ Prof. Gott Kupfer hat mich so gereizt, dass ich es wagen will. Felix Mitterer ist einer meiner Lieblingsautoren – Ich habe schon drei Stücke von ihm inszeniert. Er hat den großen Torberg-Roman grandios für die Bühne bearbeitet – ich bin stolz, dass der Verlag gerade uns die Rechte für die Wiener Erstaufführung gegeben hat.

Gehen wir weiter in Ihrer Job – Vielfalt: Was steht denn als Schauspieler außer „Gott Kupfer“ demnächst an?

Zwei ganz große „Kisten“ warten auf mich: Bruno Thost hat mich gefragt ob ich bei seinen Schwarzwaldfestspielen Seelbach (er ist dort Intendant) die Rolle des Cyrano de Bergerac übernehmen will. Eine Herausforderung der Sonderklasse! Letztes Jahr habe ich dort schon den Wilhelm Tell gespielt. Und davor wartet bei den Festspielen Schloß Sitzenberg die wunderbare Rolle des Bluntschli in „Helden“. Intendantin Michaela Ehrenstein wird meine Partnerin, die Raina sein- meine Frau Leila wird als Louka zu sehen sein. Dazwischen gibt es wieder einige „Urfaust – Vorstellungen. Ich spiele seit 10 Jahren in dieser Produktion schon den Faust (langsam komme ich ins richtige Alter). Wir waren damit schon in St.Petersburg, Straßbourg, Deutschland, Polen und, und, und.

Abschließend, was hat es denn mit dem Autor Strahl auf sich?

Da bin ich noch nicht so weit gekommen, wie in den anderen Jobs. Der korrekte Ausdruck wäre auch eher: „Bühnenfassung-Ersteller“. Bei zwei Filmen hab ich für den Thomas Sessler Verlag Bühnenfassungen erstellt: Den berühmten Film „Bockerer 2“ habe ich bearbeitet und daraus das Stück “Die 5 im Jeep“ gemacht. Das zweite Stück ist zusammen mit Robert Mohor entstanden: „Hallo Dienstmann“ nach dem legendären Film mit Hans Moser und Paul Hörbiger.

Ihr größter Berufswunsch?

Für meine „Schaubühne“ eine Subvention zu bekommen um drei bis 4 Produktionen pro Jahr auf die Beine stellen zu können, ohne immer zittern zu müssen, ob die Sponsoren wieder mitmachen. Können Sie mir dabei helfen? (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

Ich habe zu danken.


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