|
EDITH LEYRER, Wien´s Grande
Dame
des klassischen Kabaretts
Musik lag bei ihr zu Hause immer in der Luft – ihre Mutter
war Konzertpianistin und schon im zarten Alter von drei Jahren setzte
sich klein Edith in den Kopf: ich werde Schauspielerin! Von da an
ging´s steil bergauf: Kindertheater, Balettschule, Profi-Schauspielschule....
Foto : M. Milde
|
Die mit EUR 10.000,- dotierte
Auszeichnung wird alljährlich an Musikveranstalter verliehen,
die einen vorbildlichen Veranstaltungsbetrieb führen und laufend
Live-Musikveranstaltungen erfolgreich durchführen. VVATPräsident
KommR Fritz Kaufmann betont: „Mit dem Veranstalterpreis wollen
wir die erfolgreiche Veranstaltertätigkeit würdigen und die
Vorbildfunktion des Betriebes herausstellen“. Der VVAT würdigte
die Leistungen der Vollblutunternehmerin Julischka Politzky
und Ihre besonderen Verdienste um die Veranstaltungsbranche
mit dem begehrten Veranstalterpreis 2009. VVAT-Landesobmann
KommR Helmut Hinterleitner unterstreicht: „Die Familie Politzky
gestaltete die Tourismuslandschaft in Velden am Wörthersee
über die Jahre
|
Unser Kulturredakteur Billy Bencsits im Gespräch mit Edith
Leyrer
|
Uns WienerInnen ist Edith Leyrer
besonders aus ihrer Zeit des klassichen Kabaretts ans Herz
gewachsen – immerhin ist sie an der Seite von Martin Flossmann
15 Jahre hindurch auf der Bühne des Simpl gestanden! Beim
traditionellen Künstler-Stammtisch, der jeden 1.Montag im
Monat im Wiener Konzertcafé Bellaria stattfindet, hat unser
Kulturredakteur Billy Bencsits mit dem charmanten Temperamentbündel
geplaudert:
Frau Leyrer,
Sie sind eine große, komödiantische Allrounderin des Theaters
und schwer auf ein Fach festzulegen. Schauspiel, Kabarett,
Chanson , Musical. Wo sehen Sie sich selbst am liebsten?
Ich fühle mich als Schauspielerin. Als 15jähriges Mädchen
habe ich mein erstes Engagement am Wiener Raimundtheater als
Tänzerin bekommen.Und wie oft in Theaterklischees beschrieben,
ist dort für mich die große Chance gekommen, als die Solotänzerin
erkrankte und ich ihren Part übernommen habe, der auch eine
äußerst effektvolle Pantomime beinhaltet hat. Eines Tages
saß der Intendant des Saarbrücker Staatstheaters, Hermann
Wedekind in der ersten Reihe und hat mich vom Fleck weg als
Schauspielerin an sein Haus engagiert. So habe ich nach nur
einjähriger Schauspielausbildung die gewerkschaftliche Reifeprüfung
bestanden. Aber ich war ja schon als Kind am Theater, während
der gesamten Schulzeit bin ich fast täglich auf der Bühne
gestanden. Es war ein großes Glück für mich entdeckt zu werden,
denn der Sprung von der Schauspielschule ins erste Engagement
ist für junge Menschen meistens sehr schwer.
Wie sind
Sie denn von Deutschland wieder nach Österreich gekommen?
Das war auch wieder mit Glück verbunden! Gerhard Bronner leitete
damals des Kärntnertor- Theater und hat in sein legendäres
Ensemble (Qualtinger und Co) eine Nachfolgerin für Luise Martini
gesucht, die tanzen, singen und spielen können sollte. Meine
Mutter hat zufällig den Kurier-Artikel „Traummädchen gesucht"
gelesen und Bronner gefragt, ob er mich sehen wollte. Er wollte!
Ich habe nach einem Vorsingen- und spielen sofort die Rolle
bekommen. 3 wunderschöne Jahre bin ich im Ensemble geblieben.
Durch die ständige TV-Serie „Das Zeitventil" habe ich mit
18 Jahren auch schon einen gewissen Bekanntheitsgrad als Kabarettistin
erlangt.
Wie kamen
sie dann zum Musical?
Marcel Prawy wollte die „Westsidestory" erstmalig nach Europa,
an die Wiener-Volksoper bringen. Er war ja mit Leonard Bernstein
sehr befreundet und hat über 3000 (!) Vorsingen in Amerika
und Wien veranstaltet. Ich war auch eingeladen und habe tatsächlich
die Rolle bekommen! Eine fabelhafte Produktion mit jungen
Leuten, die später Stars wurden, wie etwa Julia Migenes, Heinz
Marecek, etc. Danach habe ich an allen großen Wiener Bühnen,
mit Ausnahmen des Burgtheaters, gespielt. Volkstheater, Josefstadt,
Fernsehproduktionen, u.v.m. Tja, dann bin ich der Liebe wegen
in die Schweiz abgewandert und als ich eben in Zürich die
Komödie „Die schöne Lügnerin" spielte, kam das Angebot von
Martin Flossmann als erste Dame am Wiener Simpl zu spielen.
Ich habe lange gezögert, aber mich dann doch entschlossen,
wieder für eine Saison Kabarett zu machen. Aus der einen Saison
sind 15 Jahre mit mehr als 3600 ausverkauften Vorstellungen
geworden. Flossmann hat auch Ausflüge ins Musical unternommen,
„Toll trieben es die alten Römer" von Stephen Sondheim und
Mel Brooks wurde ein Jahr gespielt und schließlich habe ich
als Marlene Dietrich im Musical „Marlene", einen großen Erfolg
für mich verbuchen dürfen.
Sie sind
auch bekannt für Ihre Fähigkeit zu parodieren. Haben sie das
immer schon gekonnt?
Eigentlich wusste ich gar nichts von meiner Begabung dafür.
Aber wenn ich kabarettistische Aufgaben, eine Ministerin oder
Moderatorin zu spielen bekam, habe ich sofort deren Ton getroffen,
und das Publikum hat schon beim ersten Satz applaudiert. Ich
kann mich extrem gut in den Habitus anderer Frauen hineinfühlen
und weiß sofort, wie die sich bewegen, wie sie sprechen, etc.
Ich bin da eigentlich rein zufällig draufgekommen. Später
habe ich mit Prof. Heinz Horak am Klavier und als Sketch-Partner
Chanson-Abende gegeben, die mir sehr großen Spaß gemacht haben.
|
Orpheus in der Unterwelt
Als "Yénte" in "Anatevka"
Verr. Deutsche in "Der Steuerfahnder" Festspielhaus St.Pölten
Mein geliebtes Indien
Edith als 10 jähriges Ballettkind
Freuen sich mit der Preiträgerin 2009: v.l.n.r.:
KommR Charly Kotzina (Konzertcafé Bellaria/Wien),
Angelika Kral (Marketing, VVAT),
Mag. Martin Pinczolits (Projektleiter VVA ) und
Irene Apfel (Assistentin der GL VVAT )
v.l.n.r.: Star-Regisseur und Fimproduzent Karl Spiehs
mit David und Julischka Politzky
|
Wo kann
man Sie denn momentan spielen sehen?
Ich habe jetzt eine ganze Saison in Linz, der momentanen Kulturhauptstadt
Europas, Komödie gespielt. Leider hat man in Wien davon überhaupt
nicht Notiz genommen. Im Sommer 2009 werde ich zum 3. Mal
in Baden, in der Sommerarena im Kurpark, bei den Sommerfestspielen
Operette spielen. Der großartige Prof. Robert Herzl schreibt
mir jedesmal sehr komödiantische Rollen in die jeweilige Operette
hinein.
Nun zu
Ihrem Privatleben: Sie sind ja glücklich mit dem Star-Architekten
Prof.Heinz Busch verheiratet.
Ja, wir haben uns spät, aber um so inniger gefunden. Wir fröhnen
gemeinsam ausgiebig unserem Reise-Hobby, wir jetten um die
Welt und es gibt nicht mehr vieles, was wir noch nicht gesehen
haben. Mein Mann ist ja auch begeisterter Harley- Fahrer,
und so kann man mich öfter als Beifahrerin in schwarzer Ledermontur
als Pseudo-Rockerin am Motorrad hocken sehen.
Stimmt
es, dass Sie vorhaben ein Buch herauszugeben?
Ja, das stimmt! Und zwar handelt es sich um einen Marktlücke:
ein wirklich großartiges Witzebuch! Gemeinsam mit dem begnadeten
Witze-Erzähler Ferdi Besim, dem Beitzer des legendären Teppichhauses
Adil Besim am Graben, als Co- Autor. Im Herbst wird es im
Ibera-Verlag das Licht der Bücherwelt erblicken. Dann wollen
wir Lachsalven-Lesungen abhalten!
Haben
Sie eigentlich noch offene Wünsche für die Zukunft?
Natürlich! Schauspieler wollen ja auf der Bühne sterben und
gehen so gut wie nie freiwillig in Pension! Ergo wünsche ich
mir noch viele saftige, komödiantische Rollen, und eventuell
weitere köstliche Folgen von Witzbüchern!
ANEKDOTEN
AUS EDITH LEYRER´S THEATERLEBEN
• Jeder hat einmal ein Blackout....
Es war im Simpl, als sich einmal während eines „Blackouts“
der Vorhang a tempo geöffnet und einen abgehenden Kollegen
und mich im Finstern förmlich eingewickelt hatte. Ich bin
seitlich der Bühne in ein tiefes Loch gestiegen. Während ich
mich gefragt habe, wo ich da reingetappt bin, ist das Bühnenlicht
angegangen: ich war im Zuschauerraum! Meine Perücke lag irgendwo
zwischen der 2. und 3. Reihe. Mein Anblick war umwerfend –
ich habe Tränen gelacht.
• Blackout Nummer 2....
Ein Komparse in Zürich, wo ich „Die schöne Lügnerin“ gespielt
habe, hatte nur einen Satz zu sagen: er sollte die Ankunft
von Zar Peter des Großen ankündigen. Als er sprechen sollte,
hatte er einen totalen Blackout. Verwirrt kam er auf mich
zu, kniete nierder und stammelte in Schwyzerdütsch: „Ich küsse
Ihre Hand Madame“- Ich habe einen Akt lang gelacht.
• Überliefert – nicht selbst erlebt....
Ein Komparse, bzw Jungschaupieler hatte nur einen Satz zu
sagen: „Schwarz ist des Schiffes Dampf.“ – Er übte diesen
Satz zahllose Male vor seinem Auftritt, trat dann auf die
Bühne und sagt: „Schwampf
|
|