|
Seit zehn Jahren talkt Barbara
Karlich im ORF erfolgreich in ihrer gleichnamigen Show. Am
liebsten über die Liebe. Das hat die geborene Wienerin jetzt
ausgenutzt und ist unter die Autoren gegangen: Ihr erstes
Buch „Spitzbuben und Sternschnuppen“ wurde im Künstlertreff
Café Bellaria präsentiert. Unser Kulturredakteur Billy Bencsits
traf die charmante Moderatorin, Schauspielerin und Neo-Autorin
ebenda zum amüsanten Gespräch.
Warum ist Barbara
Karlich unter die Autoren gegangen?
Ha, das ist eine gute Frage. Warum belästigt sie uns jetzt
nach nach ihrer mehr als übertriebenen Fernsehpräsenz auch
noch mit einem literarischen Erguss? Mein Mann behauptet immer,
weil ich ein zutiefst bösartiger Mensch bin, der sich am Leid
anderer ergötzt. Die Wahrheit ist, der „edition a Verlag“
ist an mich herangetreten und hat mir den Vorschlag gemacht,
doch ein Buch zu schreiben. Und da man mir ein Buch über Extremsportarten
oder gesunde Ernährung nicht abgenommen hätte, wurde es eins
über die Liebe!
Worum geht es in dem Buch genau?
Das Buch handelt von 42 wahren Liebesgeschichten, die ich
über Monate recherchiert habe und die ich mit romantischem
und humorvollem Auge betrachte. Das sind Geschichten übers
Verlieben und Lieben, schräge, unglaubliche und auch sehr
schöne Geschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann.
Ich habe viel gelacht und manchmal auch geweint beim Schreiben…
Können wir uns also eine Art Karlich-Show
in Buchform erwarten?
Nein, nicht wirklich. Das Gros der Stories sind Geschichten,
die mir zugetragen wurden, die Familienmitglieder, Freunde
und Freunde von Freunden mir erzählt haben. Eine Handvoll
Geschichten handelt aber sehr wohl von Menschen, die ich bei
mir auf der Bühne begrüßen durfte. Ich könnte ja Bücher füllen,
wenn man bedenkt, dass bereits mehr als 20.000 Gäste auf der
Bühne Platz genommen hatten - aber da würden mir ja die Finger
abfallen vor lauter Schreiben (lacht)! Frau Karlich, Sie haben
im Oktober Ihr zehnjähriges Talkshow- Jubliäum mit der Barbara
Karlich Show gefeiert.
Welche Geschichten sind Ihnen am besten
in Erinnerung geblieben?
Mich berühren viele Geschichten, aber viel mehr die Menschen
selber – ich pflege zu sagen: jeder Mensch ist eine eigene
Welt. Ein Highlight war bestimmt jener Moment, als Maximilian
Schell am Ende meiner letzten Sendung vor der Babypause umringt
vom gesamten Team eine Torte ins Studio geschoben hat. Das
ist ein Moment, den ich nie vergessen werde. Und da war ausnahmsweise
die Torte weniger wichtig als das Drumherum. Schön war auch,
als mich meine Mama in einer Muttertagssendung überrascht
hat, da habe ich vor lauter Glück weinen müssen und tja, die
Karlicher Faschingssendungen könnten ruhig einmal im Monat
sein. (lacht)
Haben Sie Angst, dass irgendwann alle Themen
erzählt sind und ihre Show sich abnützt?
Nein. Gott sei Dank dreht sich die Welt immer weiter und so
gibt es immer wieder neue Geschichten zu erzählen, und dabei
bleiben die Grundthemen Gesundheit, Beziehung, Esoterik, Religion,
Schönheit, Sicherheit, Job, Geld und eben auch Liebe immer
die gleichen, entwickeln sich aber stets weiter. Da ist dann
auch die Kunst des Teams und eines Moderators gefragt, immer
neue Blickwinkel zu einem bekannten Thema herzustellen. Und
das ist das Spannende an meinem Job – man ist immer am Puls
der Zeit.
Wo kann sich die Sendung nach 10 Jahren
noch hin entwickelt? Ist der Hauptabend ein Ziel?
Der Hauptabend ist immer ein Ziel, das ist der Traum eines
jeden Moderators und vielleicht gibt es ja einmal eine Rückkehr
in den Hauptabend, denn mit unserer Doku-Soap „Karlich danach“
war ich ja vor ein paar Jahren im Hauptabend. Das hat mir
großen Spaß gemacht, wir sind quer durchs Land gefahren und
haben ehemalige Talkshowgäste daheim besucht. Unheimlich spannend.
Allerdings bin ganz sicher nicht eine von denen, die sich
jetzt mit Ellbogentechnik oder Lobbying den Hauptabend erkämpfen
und erstreiten. Ich mache jetzt schon jahrelang einen guten
Job am Nachmittag, den ich sehr gerne mache und wenn es sich
irgendwann anders ergeben sollte, werde ich mir alles genau
prüfen und dann entscheiden.
Sie spielen derzeit wieder Theater, im Stück
„Heiteres Bezirksgericht“ neben Christoph Fälbl, Peter Faerber
und Franz Suhrada? Sie spielen darin eine Anwältin, eine Rolle,
die Sie gerne verkörpern?
Da gibt es weitaus Schlimmeres! (lacht) Die Rolle der Anwältin
gefällt mir sehr gut, ich bin neben dem Richter wohl die einzige
Seriöse in dem Stück, ich muss die ganze Zeit hindurch sehr
ernst bleiben und eher schmähbefreit agieren, was wirklich
mitunter schwer fällt, weil das Stück sehr lustig ist und
die Kollegen brillant spielen. Am liebsten würde ich drauf
los prusten, geht aber nicht. Als mich im Sommer ein sehr
lieber Freund, der Drehbuchautor Peter Mazuchelli, angerufen
hat und gefragt hat, ob ich denn da mitspielen würde, habe
ich zugesagt, bevor ich das Buch gelesen habe. Wir spielen
derzeit im Burgenland rauf und runter, es sind aber weitere
Vorstellungen in Wien und dann querfeldein im ganzen Land
geplant. Nähere Infos findet man dazu übrigens im Internet
unter www.heiteres-bezirksgericht.at
Was bedeutet Schauspielerei für Sie?
Es ist ein wunderbares zweites Standbein. Ich habe eine private
Schauspielausbildung, was die wenigsten wissen und diverse
Kritiker haben mir bereits beträchtliches Talent attestiert.
Ich habe Ende Oktober im Burgenland die Lilly in „Keine Leiche
ohne Lilly“ gespielt, ich denke, dass ich auch im komischen
Fach gut aufgehoben wäre, mal schauen, was da noch auf mich
zukommt. Das Heitere Bezirksgericht macht großen Spaß, ist
aber bestimmt nicht mein letztes Projekt. Derzeit ist ein
weiteres Sommertheaterprojekt in Planung.
Apropos Planung: Ist die Familienplanung
mit ihrer Tochter Gloria abgeschlossen, oder wird sie noch
Geschwisterchen bekommen?
Mein Mann hätte gerne eine ganze Fußballmannschaft und ich
denke mir, wenn’s kommt, dann kommt’s. Derzeit sind wir aber
mit Gloria mehr als beschäftigt, die zählt von der Energie
her eh für drei!
Wovon träumen Sie?
Ich würde noch sehr gerne die Welt bereisen. Viel erleben
und fremde Kulturen kennenlernen. Vielleicht mache ich mal
Kabarett. Da habe ich eine witzige Idee, die aber mein Geheimnis
bleibt. Fad wir mir sicher nie. Weder beruflich noch privat.
Sie gelten als Vollweib, haben sich dem gängigen Schönheitsideal
nie untergeordnet.
Stehen Sie zu Ihrer weiblichen Figur und
würden Sie für eine tolle Rolle in einem Film auch im Bikini
posieren?
Also ich habe mich mittlerweile wirklich sehr gut mit meiner
Figur arrangiert. Früher hatte ich oft Komplexe und tänzelte
von einer Diät zur nächsten. Doch Dank meines Mannes, der
jedes Gramm an mir vergöttert, finde ich mich wirklich wohl
in meiner Haut. Ob mich wirklich jemand im Bikini in einem
Film sehen möchte bezweifle ich, aber für Sie Herr Bencsits
würde ich mich sogar nackt auf dem Eisbärenfell präsentieren(lacht).
Sie sind mit dem Society-Journalisten Roland
Hofbauer verheiratet. Was ist dein Rezept für eine glückliche
Ehe?
Dass er mich jeden Tag zum Lachen bringt und eine enorme Angst
vor mir hat. Spaß beiseite, aber es ist wirklich so: wir lachen
viel miteinander und meistens geht es auf meine Kosten. Rolands
Eltern meinen immer, ich bin die einzige Frau, die seinen
Humor versteht, das ist komisch, denn ich finde ihn genial.
Außerdem befolgen wir den Ratschlag eines Ehepaares aus Tirol,
dass siebzig Jahre verheiratet ist und in meiner Show zu Gast
war: Nie böse und ohne Busserl schlafen gehen. Deshalb kann
es passieren, dass wir manchmal mehrere Tage kein Auge zumachen.
(lacht)
• Billy Bencsits
|