AKTUELLE AUSGABE


COVERSTORY 4/2009:

Barbara Karlich Österreichs Talkqueen
feiert ihr Debüt als Autorin




Geredet hat Barbara Karlich immer schon gerne.
Oft holte sie ihr Vater wieder zurück an den Tisch, weil Klein-Barbara selbstbewusst fremde Menschen auf Nachbartischen im Urlaub unterhielt.
Da war sie gerade mal drei. Theater gespielt hat sie bereits im Kindergarten und wenn ein Knirps nicht weiter wusste, hat sie den Part gleich mit übernommen. Reden ist halt ihr Leben.

Fotos: M. Milde

Seit zehn Jahren talkt Barbara Karlich im ORF erfolgreich in ihrer gleichnamigen Show. Am liebsten über die Liebe. Das hat die geborene Wienerin jetzt ausgenutzt und ist unter die Autoren gegangen: Ihr erstes Buch „Spitzbuben und Sternschnuppen“ wurde im Künstlertreff Café Bellaria präsentiert. Unser Kulturredakteur Billy Bencsits traf die charmante Moderatorin, Schauspielerin und Neo-Autorin ebenda zum amüsanten Gespräch.

Warum ist Barbara Karlich unter die Autoren gegangen?
Ha, das ist eine gute Frage. Warum belästigt sie uns jetzt nach nach ihrer mehr als übertriebenen Fernsehpräsenz auch noch mit einem literarischen Erguss? Mein Mann behauptet immer, weil ich ein zutiefst bösartiger Mensch bin, der sich am Leid anderer ergötzt. Die Wahrheit ist, der „edition a Verlag“ ist an mich herangetreten und hat mir den Vorschlag gemacht, doch ein Buch zu schreiben. Und da man mir ein Buch über Extremsportarten oder gesunde Ernährung nicht abgenommen hätte, wurde es eins über die Liebe!
Worum geht es in dem Buch genau?

Das Buch handelt von 42 wahren Liebesgeschichten, die ich über Monate recherchiert habe und die ich mit romantischem und humorvollem Auge betrachte. Das sind Geschichten übers Verlieben und Lieben, schräge, unglaubliche und auch sehr schöne Geschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann. Ich habe viel gelacht und manchmal auch geweint beim Schreiben…
Können wir uns also eine Art Karlich-Show in Buchform erwarten?
Nein, nicht wirklich. Das Gros der Stories sind Geschichten, die mir zugetragen wurden, die Familienmitglieder, Freunde und Freunde von Freunden mir erzählt haben. Eine Handvoll Geschichten handelt aber sehr wohl von Menschen, die ich bei mir auf der Bühne begrüßen durfte. Ich könnte ja Bücher füllen, wenn man bedenkt, dass bereits mehr als 20.000 Gäste auf der Bühne Platz genommen hatten - aber da würden mir ja die Finger abfallen vor lauter Schreiben (lacht)! Frau Karlich, Sie haben im Oktober Ihr zehnjähriges Talkshow- Jubliäum mit der Barbara Karlich Show gefeiert.
Welche Geschichten sind Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?
Mich berühren viele Geschichten, aber viel mehr die Menschen selber – ich pflege zu sagen: jeder Mensch ist eine eigene Welt. Ein Highlight war bestimmt jener Moment, als Maximilian Schell am Ende meiner letzten Sendung vor der Babypause umringt vom gesamten Team eine Torte ins Studio geschoben hat. Das ist ein Moment, den ich nie vergessen werde. Und da war ausnahmsweise die Torte weniger wichtig als das Drumherum. Schön war auch, als mich meine Mama in einer Muttertagssendung überrascht hat, da habe ich vor lauter Glück weinen müssen und tja, die Karlicher Faschingssendungen könnten ruhig einmal im Monat sein. (lacht)
Haben Sie Angst, dass irgendwann alle Themen erzählt sind und ihre Show sich abnützt?
Nein. Gott sei Dank dreht sich die Welt immer weiter und so gibt es immer wieder neue Geschichten zu erzählen, und dabei bleiben die Grundthemen Gesundheit, Beziehung, Esoterik, Religion, Schönheit, Sicherheit, Job, Geld und eben auch Liebe immer die gleichen, entwickeln sich aber stets weiter. Da ist dann auch die Kunst des Teams und eines Moderators gefragt, immer neue Blickwinkel zu einem bekannten Thema herzustellen. Und das ist das Spannende an meinem Job – man ist immer am Puls der Zeit.
Wo kann sich die Sendung nach 10 Jahren noch hin entwickelt? Ist der Hauptabend ein Ziel?
Der Hauptabend ist immer ein Ziel, das ist der Traum eines jeden Moderators und vielleicht gibt es ja einmal eine Rückkehr in den Hauptabend, denn mit unserer Doku-Soap „Karlich danach“ war ich ja vor ein paar Jahren im Hauptabend. Das hat mir großen Spaß gemacht, wir sind quer durchs Land gefahren und haben ehemalige Talkshowgäste daheim besucht. Unheimlich spannend. Allerdings bin ganz sicher nicht eine von denen, die sich jetzt mit Ellbogentechnik oder Lobbying den Hauptabend erkämpfen und erstreiten. Ich mache jetzt schon jahrelang einen guten Job am Nachmittag, den ich sehr gerne mache und wenn es sich irgendwann anders ergeben sollte, werde ich mir alles genau prüfen und dann entscheiden.
Sie spielen derzeit wieder Theater, im Stück „Heiteres Bezirksgericht“ neben Christoph Fälbl, Peter Faerber und Franz Suhrada? Sie spielen darin eine Anwältin, eine Rolle, die Sie gerne verkörpern?
Da gibt es weitaus Schlimmeres! (lacht) Die Rolle der Anwältin gefällt mir sehr gut, ich bin neben dem Richter wohl die einzige Seriöse in dem Stück, ich muss die ganze Zeit hindurch sehr ernst bleiben und eher schmähbefreit agieren, was wirklich mitunter schwer fällt, weil das Stück sehr lustig ist und die Kollegen brillant spielen. Am liebsten würde ich drauf los prusten, geht aber nicht. Als mich im Sommer ein sehr lieber Freund, der Drehbuchautor Peter Mazuchelli, angerufen hat und gefragt hat, ob ich denn da mitspielen würde, habe ich zugesagt, bevor ich das Buch gelesen habe. Wir spielen derzeit im Burgenland rauf und runter, es sind aber weitere Vorstellungen in Wien und dann querfeldein im ganzen Land geplant. Nähere Infos findet man dazu übrigens im Internet unter www.heiteres-bezirksgericht.at
Was bedeutet Schauspielerei für Sie?
Es ist ein wunderbares zweites Standbein. Ich habe eine private Schauspielausbildung, was die wenigsten wissen und diverse Kritiker haben mir bereits beträchtliches Talent attestiert. Ich habe Ende Oktober im Burgenland die Lilly in „Keine Leiche ohne Lilly“ gespielt, ich denke, dass ich auch im komischen Fach gut aufgehoben wäre, mal schauen, was da noch auf mich zukommt. Das Heitere Bezirksgericht macht großen Spaß, ist aber bestimmt nicht mein letztes Projekt. Derzeit ist ein weiteres Sommertheaterprojekt in Planung.
Apropos Planung: Ist die Familienplanung mit ihrer Tochter Gloria abgeschlossen, oder wird sie noch Geschwisterchen bekommen?
Mein Mann hätte gerne eine ganze Fußballmannschaft und ich denke mir, wenn’s kommt, dann kommt’s. Derzeit sind wir aber mit Gloria mehr als beschäftigt, die zählt von der Energie her eh für drei!
Wovon träumen Sie?
Ich würde noch sehr gerne die Welt bereisen. Viel erleben und fremde Kulturen kennenlernen. Vielleicht mache ich mal Kabarett. Da habe ich eine witzige Idee, die aber mein Geheimnis bleibt. Fad wir mir sicher nie. Weder beruflich noch privat. Sie gelten als Vollweib, haben sich dem gängigen Schönheitsideal nie untergeordnet.
Stehen Sie zu Ihrer weiblichen Figur und würden Sie für eine tolle Rolle in einem Film auch im Bikini posieren?
Also ich habe mich mittlerweile wirklich sehr gut mit meiner Figur arrangiert. Früher hatte ich oft Komplexe und tänzelte von einer Diät zur nächsten. Doch Dank meines Mannes, der jedes Gramm an mir vergöttert, finde ich mich wirklich wohl in meiner Haut. Ob mich wirklich jemand im Bikini in einem Film sehen möchte bezweifle ich, aber für Sie Herr Bencsits würde ich mich sogar nackt auf dem Eisbärenfell präsentieren(lacht).
Sie sind mit dem Society-Journalisten Roland Hofbauer verheiratet. Was ist dein Rezept für eine glückliche Ehe?
Dass er mich jeden Tag zum Lachen bringt und eine enorme Angst vor mir hat. Spaß beiseite, aber es ist wirklich so: wir lachen viel miteinander und meistens geht es auf meine Kosten. Rolands Eltern meinen immer, ich bin die einzige Frau, die seinen Humor versteht, das ist komisch, denn ich finde ihn genial. Außerdem befolgen wir den Ratschlag eines Ehepaares aus Tirol, dass siebzig Jahre verheiratet ist und in meiner Show zu Gast war: Nie böse und ohne Busserl schlafen gehen. Deshalb kann es passieren, dass wir manchmal mehrere Tage kein Auge zumachen. (lacht)
• Billy Bencsits







Ob hier wohl jeder an seine eigenen Liebesgeschichte denkt?
Auf jeden Fall gab es nur lächelnde Zuhörer! v.l.n.r.: KommR Charly Kotzina (Café Bellaria/Wien), KommR Fritz Kaufmann (Präsident Veranstalterverband Österreich), Barbara Karlich und unser Kultur-Redakteur
und Künstlerförderer Billy Bencsits

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